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20.08.2019

Regatta St.Moritz

Die Regatta in St.Moritz gehört eigentlich auf alle Kalender der Master- oder Breitensportruderer. Ein familiärer Treffpunkt für trotzdem ambitionierte Ruderer in der Höhenlage von St.Moritz.

Der Wettkampf beginnt jeweils schon am Vorabend mit einer Information des Organisators Michi Frohofer, der diesen Anlass perfekt organisiert hat. Er informierte über Rennmodus, die Startzeiten und die Gefahren auf dem St.Moritzer See. Die Regatta ist ein Mannschaftswettkampf mit vier Ruderern. Zunächst müssen alle eine Seeumrundung (um drei Bojen herum) im Skiff absolvieren, dann findet eine Ruderstafette im Doppelzweier statt und als Finale wartet der Sprint mit dem Doppelvierer auf die Teilnehmenden. In die Gesamtwertung fliessen noch Boni für Geschlecht und Alter ein.

Den Grasshopperclub haben folgende vier Ruderer vertreten: die beiden kommenden Atlantiküberquerer Dominic Schaub und Florian Ramp, der Feriengast aus London, Frederik Jacobs und der Schreiberling himself.

Nach einer kürzeren Nacht im Hotel (Tagwache um 06:15 Uhr) zunächst das Frühstück im leeren Hotelsaal. Dann geht’s zu Fuss dem See entlang zum Bootshaus des Ruderclubs St.Moritz, um die Boote abzuladen und für das erste Rennen bereit zu machen.

Das Skiffrennen wird mit fliegendem Start im 15 Sekunden-Intervall gestartet. Glücklich, wer schon einmal wettkampfmässig um eine Boje gerudert ist. In einem grossen Bogen darum herum rudern oder doch eher einen Stopp mit abruptem Richtungswechsel vornehmen? Der Schreibende hat sich zunächst für einen grossen Bogen um die erste Boje entschieden. Aber schon ist der folgende Ruderer fast aufgefahren und hat eine kleine Wende vollzogen. Das nächste Mal also besser machen und ebenfalls eine kurze Wende einlegen. Bei der dritten Wende aufpassen, dass das Ufer nicht zu nahe kommt und die Fahrt abrupt stoppen könnte. Geglückt und auf Richtung Ziel. Letzte Kräfte mobilisieren, einem Schlussspurt hinlegen und auf die Zielrufe vom Ufer aus hören. Am Ziel dann richtige Atemnot, noch nie so erlebt; die Höhenlage hat sich auf eindrückliche Weise bemerkbar gemacht.

Schlag auf Schlag geht es weiter, die Doppelzweier bereit stellen und einwassern. Sitze das erste Mal mit Dominik zusammen in einem Boot. Wie werden wir das wohl bewältigen? Ganz ruhig legen wir einige Meter auf dem Wasser zurück und proben dann schon mal den Streckenschlag. Gar nicht schlecht fürs erste Mal. Wir rudern den Rückweg der Stafette und begeben uns auf unsere Startposition am Seeende. Schon etwas nervös blicke ich zurück und warte auf das andere Boot mit Florian und Frederik. Zum Glück haben sie schon einen beruhigenden Vorsprung herausgerudert, so dass wir von der Spitze aus in unser Rennen steigen können. Dank Dominik fliegen wir dem Ziel entgegen und distanzieren unsere Gegner deutlich. Doppelzweierrennen also gewonnen.

Auch im Vierer wird es eine Premiere sein, in dieser Zusammensetzung haben wir noch nie gerudert. Auf den ersten Einfahrmetern merke ich schon, dass das eine Freude geben wird, in einem schnellen Boot zu sitzen. Beim Startzeichen schiessen wir los und rudern gerade einen Vorsprung heraus. Ein veritabler Krebs stoppt uns und wir stehen fast still. Die gegnerischen Boote holen und fast ein. Jetzt heisst es alle Kräfte zu mobilisieren und wieder davon zu ziehen. Gesagt getan. Am Ziel wieder diese Atemnot, wie wenn ich auf 7000 Metern Höhe gerudert hätte. 

Nun heisst es ausrudern, das Vierer-Boot an anderes Team übergeben und warten, bis die Regatta zu Ende ist. Dann alle Boote abriggern und auf den Anhänger hieven und festbinden. Der Wettkampftag ist noch nicht zu Ende. Um 18 Uhr finden Rangverkündigung und Preisverleihung vor dem Bootshaus statt. Bis dahin bleibt Zeit, die herrliche Gegend zu erkunden oder eine verdiente Ruhepause einzulegen. Ich entscheide mich für ersteres, einen Spaziergang um den See mit anschliessendem Aufstieg den Stazerwald hinauf bis zum Stazersee. Endlich kann ich den berühmten Abschnitt des Engadiner Skimarathons einmal live sehen. Auf den traumhaften Waldwegen kreuzen mich immer wieder Laufsportler in zum Teil horrendem Tempo.

 

Herbert Spitzer