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21.11.2022

Interview mit Tim Roth

Interview mit Tim Roth

News Hoppers:

Hallo Tim, schön, dass Du dir Zeit nimmst für ein paar Fragen. Du studierst mittlerweile ein Jahr an der University of California Berkeley, wie gefällt es dir in den USA generell?

Tim:

Sehr gut! Es war der richtige Schritt, das Angebot von Berkeley anzunehmen. Ich kann ein Vollzeit-Bachelorstudium optimal mit dem Training verbinden. Der Anspruch in Bezug auf schulische als auch sportliche Leistungen ist hier sehr hoch und das Umfeld sehr kompetitiv. Wir sind ein grosses Team (sechs Achter) und du musst jeden Tag um deinen Platz kämpfen. Das gilt auch im schulischen Bereich. Wir müssen die gleichen Limiten erfüllen wie die „normalen“ Studenten, welche nicht in einem Sportteam sind Was ich schätze ist das internationale Umfeld. Z.B. war in unserem diesjährigen Achter, mit dem wir die IRA-Meisterschaft gewonnen haben (US-Amerikanische Hochschulmeisterschaften, Anm. der Redaktion), ein US-Amerikaner – der Steuermann.

News Hoppers:

Wie war die WM-in Racice aus deiner persönlichen Sicht. Die offizielle Sicht konnten wir ja durch die SRV-Mitteilungen erfahren.

Tim:

Für die kurze Vorbereitungszeit, welche wir zusammen hatten, haben wir das Optimum rausholen können. Andrin Gulich ist erst vierzehn Tage nach mir aus den USA zurück gekehrt, weil er das Traditionsrennen Harvard vs Yale ruderte. Ende Juni/Anfang Juli hatten wir ja noch einen kurzen Unterbruch, weil Andrin, Roman und ich in Henley gestartet sind.

Wir konnten uns von Rennen zu Rennen steigern. Daher war es auch kein Nachteil, dass wir den Umweg über den Hoffnungslauf in den Halbfinal machen mussten. Klar, auf den ersten Blick erscheint ein fünfter Platz enttäuschend. Die Konkurrenz und Leistungsdichte sind enorm. Die Polen, Weltmeister von 2019, welche uns an der EM in München noch geschlagen haben, ruderten im B-Finale, genauso wie die traditionell sehr schnellen Italiener. Leider konnten wir im Finale die Rumänen nicht mehr abfangen und den vierten Platz holen. Nach weiter vorne war zu viel offenes Wasser. Die Briten, Australier und Holländer ruderten in einer eigenen Liga. Wir wissen jetzt aber wohin wir wollen und was wir dafür tun müssen. Für mich war es jedenfalls eine fantastische Erfahrung gegen Ruderer anzutreten und Bord an Bord zu rudern, welche für mich als Junior noch Halbgötter waren.

News Hoppers:

Wie ist dein Alltag in Berkeley?

Tim:

Normalerweise stehe ich so gegen sechs Uhr morgens früh auf. Dann gibt es ein kleines Frühstück. Danach geht es direkt zum Training. Wir trainieren entweder in der Bay in Grossbooten (das Kader umfasst bis zu sechs Achter die gegeneinander rudern) oder auf dem Briones Stausee etwas ausserhalb von Sant Francisco. Dort dann meistens in Kleinbooten. Nach dem Training geht es  zum zweiten Frühstück und dann in die Vorlesungen. Diese gehen in der Regel so bis sechzehn Uhr. Danach kommt die zweite Trainingseinheit. Wenn die Zeit reicht, lege ich über Mittag noch eine dritte Einheit auf dem Ergo ein. Nach dem Abendessen ist meistens Lernen angesagt. Am Sonntag haben wir immer frei. D.h. am Samstag können wir schon mal Party machen und am Sonntag ausschlafen. Die  Zeit danach nutze ich mit meinen Kollegen für Freizeitaktivitäten wie Ausflüge oder aber auch für Prüfungsvorbereitungen.

 

News Hoppers:

Was schätzt Du besonders?

Tim:

Aus sportlicher Sicht sicher die optimale Betreuung und Infrastruktur. Wir können z.B. bei Bedarf jederzeit Physiotherapeuten und Masseure in Anspruch nehmen. Auch unser Trainerstab ist „allererste Sahne“. Sonst ist es das bereits erwähnte internationale Umfeld sowie die amerikanische Lockerheit und Leistungsorientierung -  und nicht zu vergessen, dass man praktisch das ganze Jahr in kurzen Hosen rumlaufen kann. Im Weiteren studiert ab diesem Semester meine Freundin Celia Dupré aus dem Frauen Doppelvierer in Standford, welches nur ca. 60 Km von Berkeley entfernt ist, die Distanz ist also erheblich kleiner als früher Zürich - Genf. So können wir uns, wenn es das Lernen erlaubt am Wochenende sehen.

News Hoppers:

Was vermisst Du?

Tim:

Ab und zu hat man etwas Heimweh nach der Schweiz, den Bergen, den Freunden, der Familie, einer Cervelat, dem Zürichsee und unserem schönen Bootshaus.

News Hoppers:

Wie sieht die Planung für deine Zukunft aus?

Tim:

Bis Anfang Dezember habe ich Schule. Dann geht es bis Ende Januar zurück in die Schweiz. Dort werde ich die meiste Zeit mit dem Kader in Sarnen verbringen. Ab Ende März fängt in den USA wieder unsere Regattasaison an mit den IRA Meisterschaften Ende Mai als Höhepunkt. Unser Ziel ist es unseren Titel aus diesem Jahr zu verteidigen. Danach geht es zurück in die Schweiz. Als Erstes muss ich mich wieder für den Vierer qualifiziere und dann kommt die Vorbereitung für die WM. Das Ziel wird es sein, die Leistung von diesem Jahr zu bestätigen, deutlich näher an die Spitzte heranzufahren und einen Olympia-Quotenplatz zu holen. Danach lege ich bis Olympia ein Zwischenjahr ein mit dem Ziel der Teilnahme in Paris. Nach Paris muss ich noch zwei Jahre in Berkeley studieren bis ich mein Bachelor habe. Was danach kommt weiss ich noch nicht.

News Hoppers:

Danke für das Interview und weithin viel Spass und Erfolg bei Studium und Sport.

Tim:

Danke auch. Ich möchte mich an dieser Stelle bei allen bedanken, welche mich auf meinem sportlichen Weg unterstützen. Allen voran bei Blue Blade und dem GC. Aber auch der Schweizerischen Sporthilfe , dem Sport Aargau, der Armee und der University of California Berkeley.