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Weltmeisterschaft Elite Belgrad – Es hat nicht sein sollen

Weltmeisterschaft Elite Belgrad – Es hat nicht sein sollen

Tim Roth war im 4- für die Weltmeisterschaft in Belgrad und damit auch für den Kampf um die Olympia-Quoteplätze selektioniert. Im Training seit dem Weltcup II in Varese, wo der 4- den 7. Rang belegte konnte man gute Fortschritte erzielen und man war, zumindest auf dem Papier das deutlich stärker als der 4x. Mit entsprechenden Ambitionen reisten Kai Schätzle (Seeclub Luzern) Patrick Brunner (Seeclub) Biel, Tim Roth (GC) und Joel Schürch (Seeclub Sursee) nach Belgrad. Ziel war eine Platzierung im A-Finale und damit auch die Sicherung eines Quotenplatzes für die Olympischen Spiele in Paris. Kleine Randbemerkung, die Quotenplätze sind nicht persönlich, d.h. ein qualifiziertes Boot kann auch umbesetzt werden.

Im Vorlauf warteten die US-Amerikaner, dritte am Weltcup II in Varese, die Australier als amtierende Olympiasierge , Ukraine, Südafrika und Irland. Der für die direkte Halbfinalqualifikation notwendige 2. Rang war sehr ambitiös aber die Mannschaft war zuversichtlich. Man wollte frech aus dem Startnachen und dann an der Spitzte mitrudern. Leider ist dies in keiner Weise gelungen. Bereits nach 500 Metern war der Schweizer 4- fast 1.5 Sekunden hinter den führenden Amerikanern und gut eine Sekunde hinter den auf Rang drei liegenden Ukrainern. Man fand nicht ins Rennen, musste wegen technischer Probleme sogar mehrfach steuern, das das Boot nicht gerade aus lief und war im Ziel über 12 Sekunden hinter den Siegern aus den USA. Ein herber Schlag, ruderisch eine absolute Katastrphe und nicht das, was man sich vorgenommen hatte.

Im Hoffnungslauf warteten wieder die Südafrikaner dann China, Polen und Italien. Die Mannschaft hatte sich nach einer «netten» Ansprache von Nationalcoach Ian Wright einiges vorgenommen und wollte zeigen was man kann. Bei 500 m lag man leicht hinter den Italienern, schob sich aber langsam aber konsequent an ihnen vorbei und lag bei 1000 m auf dem ersten Rang. Es ging weiter mit einer Schlagzahl von 41/42 bis zur 1500 Metermarke wo die Schweizer immer noch deutlich vor den Italienern lagen. Mit Ausnahme der am Ende des Feldes liegenden Chinesen starteten alle Mannschaften und insbesondere die Südarfrikaner den Turbo. Es ging mit Schlagzahlen deutlich über 40 der Ziellinie entgegen. Auf den letzten 20 Metern konnten Italien die Schweizer noch abfangen und retteten 0.23 Sekunden ins Ziel. Die sich im Halbfinale wähnenden Polen, sie hatten 100 Meter vor dem Ziel noch einen Vorsprung von knapp einer Länge auf Südafrika, wurden noch um 0.02 Sekunden (zwei Hundertstel!) überspurtet und die ersten vier Boote waren innerhalb von 1.2 Sekunden im Ziel. Was für ein Rennen.

Am Halbfinaltag hatten sich die Verhältnisse massiv geändert. Statt windstill/leichter Mittwind herrschte harter seitlicher Gegenwind. Die Bahnen wurden umbesetzt, so dass die, in den Vorrennen schnellsten Boote, die besten, ufernahen Bahnen bekamen. Für die Schweizer war das absolut ungünstig. So gestaltete sich auch das Rennen. Man fand in den Schaumkronen nie zusammen, rettete sich von Schlag zu schlag und war im Ziel mit 21 Sekunden auf die siegenden Briten abgeschlagene fünfte nur noch vor den Südafrikanern.

In B-Finale konnte sich nur der Sieger für Olympia qualifizieren, daher war die Zielsetzung klar. Die Verhältnisse hatten sich beruhigt. Es herrscht zwar noch Gegenwind, dieser war aber nur leicht und kam gerade, so dass wieder absolut faire Verhältnisse herrschten. Es ging darum sich gegen Rumänien, die im Vorlauf deutlich schnelleren Ukrainer und Italien durchzusetzen. Schon auf den ersten Metern zeigte die Mannschaft, was sie eigentlich kann. Nach einem «ruhigen» Start fand man schnell in den Streckenschlag von 40 bis 42 Schlägen und schob sich bis zur 500 Metermarke an die Spitze des Feldes. Bis zur 1500 Metermarke konnte man den Vorsprung auf gut 2 Sekunden auf die Rumänen und auf über 2.5 Sekunden auf die Italiener ausbauen. So ging es bis zur 1750er Marke. Dann aber begannen die Rumänen mit einem enormen Endspurt. Die Schweizer versuchen dagegen zu halten, wurden aber auf den letzten 50 Metern abgefangen und mussten mit dem zweiten Platz vorlieb nehmen (achter Gesamtrang) – es hatte nicht sein sollen.

Trotz der verpassten Olympiaqualifikation war die Mannschaft zufrieden mit dem Rennen. Man hat alles gegeben und hatte sich nicht vorzuwerfen. An dem Tag lag einfach nicht mehr drin. Es besteht ja noch die Chance, sich an der Qualifikationsregatta im nächsten Mai am Rotsee zu qualifizieren. Es könnte auch passieren, dass Ian den Doppelvierer umbesetzt und dass Tim und Kai auch Skullen können haben sie ja in der Vergangenheit zur genüge bewiesen. Der Doppelvierer ist in allen Rennen über sich hinausgewachsen und konnte den fünften Gesamtrang und damit die Olympiaqualifikation errudern.

Es bleibt anzumerken, dass Tim und ich nicht die einzigen GCler an der WM waren. Auch Marius Merkt war als Supporter dabei. Leider durfte er nicht als Co-Kommentator mit Martin Cross die Rennen begleiten. Dies hätte die Veranstaltung sicher nochmals unterhaltsamer gestaltet.

Für Tim fängt das Training in Sarnen Anfang Oktober wieder los. Bis dahin sind Entspannung und Erholung angesagt.