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17.09.2019

World Rowing Masters Regatta / Velence / 11. – 14. September 2019

Die diesjährige FISA Masters Regatta fand auf dem Velence-See, welcher in der Nähe von Budapest gelegen ist, statt. Der Velence-See ist der drittgrösste See Ungarns. Mit einer Fläche von 26 km2 ist er ungefähr so gross wie der Walensee. Der See ist durchschnittlich nur rund 1,5 Meter tief. Rund ein Drittel der Oberfläche ist mit einem dichten Schilf bewachsen. Ein Schilfgürtel führt auch parallel zur Regattastrecke mit ihren 8 Bahnen und friedet die Strecke damit von einer Seite ein.

Der sportliche Höhepunkt der Masters war wie immer sehr gut besucht. 3‘936 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus 52 Nationen machten den Anlass zum zweitgrössten in der Geschichte der World Rowing Masters Regatta. Bereits im Jahre 1996 wurde am gleichen Ort die World Masters Regatta mit damals 2‘500 Teilnehmern durchgeführt.

Ich startete viermal im Doppelzweier mit meinem langjährigen Partner Reinout Houttuin von der Société Nautique de Neuchâtel in den Altersklassen A bis D. Damit fuhr ich jeden Tag „nur“ ein Rennen, was sich im Sinne der Konzentration der Kräfte aber als gute Strategie erwies. Begonnen hatte unsere Rennwoche bereits am 8. September 2019 mit einem rennmässigen Test an der Regatta in Uster, wo wir im Mastersdoppelzweier einen ungefährdeten Sieg einfahren konnten. In Uster erfolgte dann auch der Bootsverlad auf den Stämpfli-Anhänger. Die World Rowing Masters Regatta fand bei hochsommerlichen Temperaturen und bestem Wetter statt. Der Wind blies meist aus Richtung Nord und war damit für die Ruderer als schräger Gegenwind spürbar. Die Wasserverhältnisse blieben an allen Tagen aber ausgezeichnet.

Unsere Rennserie begann am Mittwochnachmittag, 11. September 2019, mit einem Lauf im Doppelzweier der Altersklasse D (50-54 Jahre). Der Auftakt war erfreulich, konnten wir doch einen glatten Start-Ziel-Sieg mit 5 Sekunden Vorsprung auf GER, POL, GBR, HUN, GER und SWE erringen. Obwohl nicht auf den letzten Reserven gefahren, erreichten wir die 10. Zeit von insgesamt 125 klassierten Doppelzweiern.

Im gleichen Stil ging es dann am Folgetag weiter. In der Altersklasse B (36-42 Jahre) warteten allerdings härtere Gegner. Einer war beispielsweise Nuno Mendes aus Portugal, bis 2017 regelmässiger Teilnehmer an Weltcupregatten und Weltmeisterschaften und im letzten Jahr noch Teilnehmer in Henley in den Diamond Sculls. Ein konzentriertes Rennen bescherte uns einen weiteren Start-Ziel-Sieg, wobei wir diesmal mit fast 7 Sekunden Vorsprung vor GER, POR, IRL, GBR, DEN und CAN über die Ziellinie fuhren. Unsere Bemühungen schlugen sich in der 10. Zeit von 80 klassierten Doppelzweiern nieder.

Am dritten Tag erfolgte unser Start im A Doppelzweier (27-35 Jahre). Der Wind blies stärker von der Seite. Vermutlich deshalb konnte uns eine junge Crew aus Ungarn mit einem um 16 Jahre jüngeren Durchschnittsalter am Start auf Bahn eins entwischen. Auf Bahn 6 rudernd, konnten wir diese Mannschaft bis ins Ziel knapp nicht mehr abfangen und landeten damit auf Rang 2, noch vor IRL, CRO, SWE und CAN.

Aller guten Dinge sind drei, heisst es bekanntlich. Entsprechend nahmen wir uns nochmals einen Sieg als Zielsetzung in der Alterskategorie C (43-49 Jahre) vor. Unsere Anspannung vor dem Rennen war recht gross, stuften wir doch mindestens drei Crews als ungefähr gleich stark ein. Erfreulicherweise gelang uns unser bestes Rennen, welches wir vom Start weg anführten und schlussendlich mit einem Vorsprung von 6 Sekunden vor GER, CZE, RSA, HUN und BRA für uns entscheiden konnten.

Mit diesem schönen Rennen ging für uns die mit Abstand erfolgreichste World Masters Regatta zu Ende. Nachdem ich in den Jahren 2015 und 2016 schon im Doppelvierer und Skiff siegreich gewesen war, komplettierte ich mit den drei Siegen im Doppelzweier alle Skullbootsklassen. Dies ist das Resultat von ungezählten, meist einsamen Trainingsstunden, welche ich seit vielen Jahren stets mit grosser Kontinuität (meines Erachtens DAS Geheimnis für Erfolg im Mastersrudern) durchgezogen habe. Reinout und ich können ortsbedingt nur wenig gemeinsam rudern. In diesem Jahr waren es lediglich 18 gemeinsame Fahrten, die Rennen dabei mitgezählt. Dennoch ist es für mich stets eine grosse Freude mit ihm zu rudern. Ich kann seinen Schlagrhythmus gut übernehmen. Unsere Schlagelängen und Kraftverläufe sind sehr identisch. Wir sind eine leichte Mannschaft mit 75 Kilogramm Durchschnittsgewicht, welche die Rennen mit hohen Kadenzen fahren kann und muss. In Velence lag unsere Schlagzahl auf dem ersten Streckenviertel jeweils bei 40-42 und senkte sich danach auf 36/37 Streckenschlag ab.

Mein herzliches Dankeschön geht an meinen Bootspartner und an Helen Houttuin, die Ehefrau von Reinout, welche uns zu Land stets sehr gut unterstützte und auch alle Fotos geschossen hat. 

15. September 2019 / Michael Benn