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10.06.2021

Nachruf auf George Tintor

Nachruf auf George Tintor

Peter Doerr, mit Unterstützung von Diana Tintor und Ruderkameraden

 

Mit grosser Trauer haben wir vom Tod unseres Clubkameraden und Ruderfreunds George Tintor Kenntnis genommen. Verstorben ist George am 30. Mai 2021 in Toronto, Kanada, im Kreis seiner Familie. 

 

George wurde am 6. Mai 1957 in Toronto, Kanada geboren und besuchte dort die Parkdale Collegiate Highschool in seinem Wohnquartier, wo er sich in verschiedenen Sportarten versuchte, welche seine Schule anbot. 

 

Im Jahr 1972 entdeckte er im Gang der Schule ein Poster an der Wand. Darauf stand in etwa “Want to join the 1976 Olympics In Montreal? Join the Parkdale Collegiate Rowing Team.” George riss das Poster von der Wand, nahm es mit nach Hause und zeigte es seinem Bruder. Am nächsten Tag wurden die beiden Brüder Mitglieder des Argonaut Rowing Clubs, wo sie regelmässig trainierten, und bereits im Jahr 1974 die Canadian Schoolboy Championships im “Open Pair” gewannen. 

 

In der Highschool gehörte George zuerst nicht zu den ambitioniertesten Schülern und die Schule interessierte ihn nicht. Als er aber das Rudern für sich entdeckte, wollte er unbedingt an einer Uni mit einem guten Ruderteam studieren. Der Ehrgeiz packte ihn und er bereitete sich innert kurzer Zeit intensiv auf die Abschlussprüfungen an der High-School vor, wo er gute Noten brauchte für den Zugang an eine Uni mit einem guten Ruderteam. Daneben qualifizierte er sich für die Teilnahme an den Junioren Weltmeisterschaften 1974 in Ratzeburg. So gelang es George, an der renommierten University of Pennsylvania aufgenommen zu werden, wo er im Jahr 1979 einen Abschluss in Buchhaltung erlangte. Danach zog es ihn nach New York an die ausgezeichnete Wharton Business School, wo er im Jahr 1984 sein Studium mit Erfolg abschloss.

 

Nur vier Jahre nach Beginn seiner Ruderlaufbahn, im Jahr 1976, realisierte George seinen Traum und nahm als Teammitglied des berühmten «Canadian Eight» an den Olympischen Spielen in Montreal teil. Auch im Jahr 1980 qualifizierte er sich für Kanada wieder für die Olympischen Spiele, doch aus politischen Gründen boykottierte Kanada in diesem Jahr die Olympischen Spiele und so konnte George und das kanadische Team leider nicht teilnehmen. Wütend und frustriert entschied sich George mit dem Rudern aufzuhören.

 

Beruflich war er zuerst in New York und dann in London als Investment Banker tätig, bis er im Jahr 1998 nach Erlenbach zog und sich in Zürich selbständig machte. Er wurde Vater von drei Töchtern, geboren in den Jahren 1994, 1996 und 2000, und seine Rolle als Vater erfüllt ihn mit unglaublich viel Freude und Stolz. 

 

2006 kam er wieder mit dem Rudersport in Berührung und begann Masters-Regatten zu fahren. Die Leidenschaft packte ihn erneut, und er wurde Mitglied bei uns in der Ruder-Sektion, wo er wieder regelmässig trainierte. Mit Andi Csonka und Florian Eigenmann als Sparring Partner, mit denen er auch am Armada Cup teilnahm, trainierte er regelmässig auf dem Greifensee und bereitete sich dort gezielt auf die Regatten und die SM vor. Sein Skiff mit kanadischen Skulls war immer für ihn bereit in unserem zweiten Bootshaus: Er liebte den Greifensee sehr. Regelmässig war er aber auch auf dem Zürichsee, wo er zusammen mit Dani Hofer, Mirco Del Grande, Niki Morskoi, Ulysse Fiori, Christian Meyer, Peter Doerr und vielen anderen im Doppelvierer oder Doppelzweier aufs Wasser ging. 

 

Neben seinen Starts an Schweizer Regatten, die er immer wieder auch mit Michael Benn bestritt, nahm er an verschiedenen ausländischen Regatten teil, so etwa an den Langstreckenrennen in Turin, Italien und am Head of the Charles in Boston, MA. Er war in der internationalen Masters Szene sehr gut vernetzt und nahm auch mehrmals an den FISA Masters-Regatten teil.  

 

2007 entdeckte er das Coastal Rowing. Er überredete Andi Csonka, Markus Wyss und Florian Ramp dazu, in einem Vierer in San Remo auf dem Meer zu starten. Ab diesem Zeitpunkt liess ihn diese zusätzliche Ruderleidenschaft nicht mehr los. Seine Begeisterung übertrug sich in der Schweiz auf immer mehr Ruderer und heute liegen nicht nur bei uns in der Ruder-Sektion Coastal Rowing Boote in der Halle. Zudem wird Coastal Rowing wohl bald eine olympische Disziplin. George war ein Visionär, und auch hier seiner Zeit weit voraus. 

 

Im Jahr 2014 zog George zurück nach Kanada, wo er wieder als Mitglied des Argonaut Rowing Clubs trainierte. Immer besuchte uns aber George in Zürich und in seiner Ruder-Sektion, wo er wenn immer möglich auf dem Greifensee oder in Zürich trainierte.

 

George sagte immer: “Rowing is a miserable sport and you really have to be a certain kind of crazy to want to do it competitively.” Wie dem auch sei, es gibt wenige Orte, die er so sehr liebte wie den Greifensee. Wenn George mit seiner Tochter Diana telefonierte, sprach er sie immer auch auf das Wetter in Zürich an. Er wusste darüber immer Bescheid, da er auch in Kanada täglich die Greifensee Webcam anschaute. 

 

Sein letztes Rennen auf dem Greifensee bestritt George 2019. Im Oktober 2020 trug er seine letzte Ausfahrt ins Logbuch unseres Bootshauses am Greifensee ein. Kurze Zeit später verunmöglichte ihm seine zunehmend schwere Krebserkrankung die Ausübung seines geliebten Sports.

 

Wir verlieren mit George einen lieben und guten Freund. George war nicht nur ein ausgezeichneter Ruderer, sondern auch äusserst zuvorkommend und grosszügig. Er interessierte sich wirklich für seine Mitmenschen und genoss es, mit seinen Freunden Zeit zu verbringen. Insbesondere im Kreise unserer Ruder-Sektion war er nicht nur auf dem Wasser und im Trainingsraum gern gesehen, sondern auch an vielen Anlässen im Bootshaus und im privaten Rahmen. George, wir erheben das Glas auf dich und schauen mit Wehmut auf den leeren Platz, auf dem wir dich so gerne weiterhin gehabt hätten.